Tag 1

Der Drucker steht da ! Ich bin grad mit Krücken unterwegs, also mussten meine Kinder das Trum in den Keller schleppen und auspacken. Optisch würde der Drucker gut als Mikrowelle durch gehen, das Innenleben ist aber gänzlich was anderes.
Als erstes war mal rohe Gewalt angesagt. Der Drucktisch wurde benutzt um die beiden mitgelieferten Filamentrollen zu sichern. Also mit beiden Händen anpacken und den Tisch gegen die sich wehrende Schneckenspindel  nach oben ziehen. Das tat schon mal weh, man bewegt eine solche Mechanik nicht gegen ihren Willen ! Als alles draußen war, habe ich den Tisch wieder in seine ursprüngliche Position geschoben und den DualExtruder fest gemacht. Es sind nur 3 Schrauben, die haben es aber in sich, vor allem weil eine davon zu kurz ist, selbst an der Position an der sie vorgesehen ist.
Das Handbuch des Druckers ist nur in englisch verfügbar, für mich kein Problem, aber …
Es ist für die Version 1.0 des Druckers, aktuell sind wir bei Revision 3 glaub ich. Der Extruder wurde gegen ein anderes Modell getauscht, einen Umschalter für 110/240V sucht man vergebens und auch andere Kleinigkeiten stimmen nicht mehr überein.

So war nun also der Aufbau abgeschlossen. Im Internet hatte ich gelesen, man müsse vorher unbedingt Leveln, Dem stimme ich voll und ganz zu, alles andere könnte den Drucker beim ersten Versuch in’s jenseits schicken.

Leveln

Leveln heißt nichts anderes als die Grundplatte und die Druckdüsen gegenseitig auszurichten. Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass wir Schicht für Schicht mit 0,1mm auftragen. Wenn hier die Platte schief steht, reisst der Kopf ggf, alles gleich wieder ein, was er zuvor gebaut hat. Das gleiche gilt für den 2. Extruder. Sind die nicht beide gleich hoch, wird das nichts mit dem Druck.
Der Dreamer hat einen Menüpunkt in den Tools zum Leveln, geht etwa 2 Min und sollte auch nach unsanftem entfernen von Objekten von der Platte wiederholt werden.
Bei der Temperatur der Platte für’s Leveln liest man unterschiedliches, wenn wir aber kurz mal nachdenken, muss es eigentlich im warmen/heissen Zustand passieren. Alu dehnt sich unter Wärme aus, Messing genau so. Wenn ich das nun alles im kalten Zustand ausrichte, mir damit den notwendigen 1/10mm Abstand schaffe und es dann erhitze, habe ich sicher keine 0,1 mm Abstand mehr. Kann jeder mal selbst ausprobieren. Alles auf 200 bzw. Platte auf 100° vorheizen und dann noch mal Leveln. Das Blatt Papier geht nie und nimmer mehr zwischen Düse und Tisch.
Ich für meinen Teil heize die Platte auf 50° und die Extruder auf 200° auf, zum Leveln und habe gute Erfahrungen damit gemacht.

Der erste Druck

Nach etwa 30 Minuten konnte ich also nun endlich das erste mal Drucken.
Auf dem Drucker werden ein paar Beispielteile mit geliefert. Also hab ich mir eines ausgewählt und los. Ein wohliges Konzert gleichzeitig laufender Schrittmotoren erklingt und auf der Platte fängt sich etwas an zu materialisieren. Juhuuu er funktioniert. Ich lasse ihn sein Werk tun und beschäftige mich mit der Software.

Flash Print

Das ist die mitgelieferte Software die aus STL Dateien, Druckfähige gcode Dateien für den Drucker erzeugt. Ausserdem ist das die Software für Firmware Updates und Drucker Kontrolle.
Wie das in der heutigen Zeit so ist, alle Nase lang ein Update, hier auch, FP sagt mir dass es was neues gibt und möchte updaten. Soll ich oder soll ich nicht, ich komme noch aus einer Zeit wo man öfter mal was „gebrickt“ hat. Ach was solls, die haben das heute schon im Griff. Also los, update voran!
Die neue FW wird überspielt, alles erfolgreich, zum Schluss der Hinweis : „please reboot your Printer“. Ha! und wie bitte mache ich das, im Menü gibt es keinen Reboot Punkt, außer dem Netzschalter keine Knöpfe, was also bleibt, Power Off / On -> sollte ja wohl ein Reboot sein. Ich warte extra ein paar Minuten um dem Drucker genügend Zeit zu geben alle caches zu schreiben. Er startet, schreibt was von „witing …..“ und dann „successful written“. Tönt gut. Nur passiert nichts weiter, hmmm nochmal reboot.

Die erste Klatsche…..

Das blaue Startlogo erscheint noch, danach ist aber sense. Ich hab ihn gebrickt.
Schöööön, jaule ich vor mich hin. Google ist nun mein Freund, ich suche und nach kurzem wird mir klar, das wird abenteuerlich. Drucker auseinander nehmen, Interne SD Karte ausbauen (die ist gesichert, damit man genau das nicht tut), Filesystem checken. Korrekte Dateien wieder aufspielen, alles zusammensetzen und voila, nach 2 Stunden harter Arbeit habe ich einen Brick. Hat alles nicht geholfen. Google wird erneut mein Freund, in den Google Groups einen Artikel zu meinem „Stage 3“ Problem. Stage 3 ist die letzte Stufe vor neuem Drucker, schluck…..
Ich soll eine uralt FP Software laden, den Drucker starten, im FP „Dauerfeuer auf Rescan“ bis der Drucker auftaucht und dann „Connect“ „Update“.
Nur für die Nachwelt, der Zeitraum zwischen „Second Stage Loader“ von Windoof erkannt und Update beträgt zwischen 0,75s und 1,25s. Zu dritt könnte man das schaffen.
Ich hab’s Probiert allerdings erfolglos. Es sind nun sicher 4 Stunden seit dem ersten Testdruck vergangen, ich hab immer noch einen Ziegelstein auf dem Tisch, einen sau teuren noch dazu. Garantie ist weg, hab ja die gesicherte Karte rausgefummelt.

So langsam macht sich Verzweiflung breit. Aber aufgeben, nein, der Zeigt was an, also lebt er. Zur Not habe ich auch noch einen Programmer für diese Gattung von Microkontrollern in der Schublade.
Dann der Geistesblitz, da hat doch was geflackert, im Windows Gerätemanager, als ich den Drucker eingeschaltet habe. Ok, ich schau mir das genauer an. Gerätemanager offen, Drucker Reset (der kleine Knopf neben der SD Karte), Es blinkt irgendwas mit 3D Drucker auf, dass dann aber auch gleich wieder verschwindet. Der SerialPort, den die alte Software benötigt wird aber nicht erstellt. Damit ist dieser Google Treffer dann wohl auch out of date. Alte FP runter aktuelle Version drauf.

Die Lösung

  • FP und Gerätemanager nebeneinander stellen. Im FP auf Tools Firmware Update gehen. Der findet jetzt natürlich erstmal nichts.
  • Drucker Reset und warten bis der Gerätemanager zuckt.
  • Rescan, Connect
    Wenn das schnell genug war, will er nun Updaten wenn nicht „redo from start“. Wir sind aber immer noch in Eile
  • Die Enter Taste auf Dauerfeuer  bis er anfängt zu übertragen.
  • Ok auf reboot, was der Drucker bei mir (glaub ich) selbst getan hat.
  • Der Jingle ertönt, er lebt wieder

Der Tag ist gerettet, mein Drucker und ich sind jetzt per du, hab ja schliesslich bereits in sein innerstes geschaut, nach 6 Stunden Bekanntschaft.

Wer mir nun nochmal was von RTP erzählt, kriegt eine geklebt.

Der erste eigene Druck

Ich hatte ja die Zeit im Krankenhaus genutzt und mal ein paar Modelle gezeichnet, ein paar viele genabgenommen. Die werde ich jetzt materialisieren. Also im FreeCAD export als STL und im FP import. Linker Extruder PLA, rechter Extruder PVA für die Stützkonstruktion. Sorry, ich bin nun einfach mal ein Ing. das liegt in den Genen, weniger als Perfekt geht nicht. Im FP also alles konfiguriert, linker Extruder 210° rechter 200°, Platte 50°, Stützkonstruktionen als Baumstruktur (schaut cool aus, ist aber unbrauchbar).
6 von meinen Kettengliedern auf die Platte gestellt, alles durchrechnen lassen und LOS!

10 Min später…. was zur Hölle tut der da ?????
Auf der Platte schaut es aus, als wäre eine Tüte mit kleinen weissen Styroporkügelchen Explodiert. Das PLA baut keine Bäume, sonder Fusseln und reisst mir auch gleich noch die vom anderen Extruder gebauten Teile ein. Hmmmm, ich lasse ihn jetzt mal laufen vielleicht bin ich nur zu Ungeduldig.
1h später…. jetzt hab ich einen weissen Sockel mit ein paar orangenen Flecken drin. Schmarrn, da passt was nicht, ich breche ab.

Was also habe ich getan ? So schlecht kann das ja gar nicht sein er hat ja schon was solides gedruckt.
Nunja, nach kurzem Nachdenken, !!! DIE PHYSIK !!!, diese kleine Baggerschaufel steht ausschliesslich im absolut gravitationsbefreiten CAD auf der Rundung, völlig neben dem eigentlichen Schwerpunkt. Der Tangentialpunkt an einem Kreis beträgt bekanntlich in jede Richtung genau 0 und darauf soll der Drucker nun diese Konstruktion stellen. Klassischer Layer 8 Fehler, der Proband vor der Versuchsanordnung geht noch mal in sich und kommt auf eine geniale Idee. Ich lege den doch einfach hin.
Nochmal 6 Stück auf der Seite liegend in Auftrag gegeben und der Dinge harrend die da kommen werden, habe ich dem geschehen eine Weile zugeschaut. Das Ding hat sich ganz ordentlich von unten nach oben aufgeabaut. Die PLA Stützen sind zwar näher an einem Schneesturm als an einem Baum, wird schon passen.
Nach etwa einer Stunde sind die Teile fertig. Der ganz große Wurf ist das irgendwie immer noch nicht. Näher dran, aber von  6 Stück sind fünf zum Wegschmeissen.

Was ist dieses mal daneben gegangen ? Solangsam kommen mir Zweifel auf ob ich mit dem 3D Drucker an’s Ziel kommen werde. Aber Aufgeben ist noch lange nicht.
1. Stützmaterial ist wohl nicht der hit, das nehm ich erstmal aus der Gleichung, 90 % aller Drucker sind mit einem Extruder ausgestattet, die können sowas auch drucken.
2. DIE PHYSIK, ich versuche schon wieder einen auf der Spitze stehenden Kegel zu drucken, dieses mal komplett im freien Raum. OK kann nicht gehen, ich leg das Ding auf den Rücken. Neue Printdatei und ich lasse ihn seine Arbeit tun.

Ja holla die Waldfee, genau so sollten die Ausschauen. Also sofort den Clipmechanismus testen. Kann ich die in einander clipen, hält das und vor allem, lassen sich die Gelenke bewegen ????
Yes, und wie genau so habe ich mir das vorgestellt. Nun ist orange aber nicht die bevorzugte Farbe, grau habe ich gar nicht, weiß auch nicht und schwarz nur mit ABS. ABS ist schwierig, verzieht sich und hält nicht auf dem Tisch, so hab ich das gelesen. Egal irgendwann muss ich das ja testen.
Ich werde mutiger 4×4 und los.
Ach ja, nach dem Desaster mit dem PVA habe ich beschlossen, das gebastelt mit FP zu lassen und mich in die Profi Liga zu katapultieren. Ich hab mir Simplify 3D besorgt, ein Druckprogramm dass mir bei meinen Recherchen immer wieder über den Weg gelaufen ist. Das hält wenig von Baumstrukturen und baut recht effiziente „Radiatoren“ wo nötig und vor allem nichts wo nicht nötig. Ratz fatz, also so nach 2 Stunden liegen weitere 15 brauchbare Schaufeln vor mir und für die Nacht sind nochmal 16 aufgegeben.
0:30 ich beschliesse den Tag, klassifiziere ihn als erfolgreich und gehe zu Bett, der Drucker arbeitet.

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